The user-centric model: a game changer

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Was du im Beitrag erfährst:
  • Mehrheit der Artists profitiert vom User-Centric-Modell
  • Welch enormen Einfluss Superfans auf die Auszahlungen haben
  • Wieso ein Systemwechsel wohl trotzdem nicht bevorsteht

Bislang gab es nur theoretische Studien, die untersuchten, ob Künstler*innen vom User-Centric-Modell profitieren oder nicht. Da SoundCloud nun zumindest teilweise das System gewechselt hat, gibt es erstmals fundiertes Datenmaterial. Dieses wurde von den Researchern von MIDiA ausgewertet und das Ergebnis kann durchaus als Gamechanger betitelt werden.

Zur Erinnerung: fast alle Streamingdienste bezahlen die Künstler*innen nach dem Pro-Rata-Modell, wo alle Einnahmen in einem Topf landen. Beim User-Centric-Modell geht das Geld jedoch nur an die Artists, die ein User effektiv gehört hat.

Mehrheit der Artists profitiert

MIDiA konnte für die Studie die Einnahmen von 118.000 Künstler*innen analysieren, welche ihre Musik über SoundCloud veröffentlichten. Die Analyse ergab, dass 56% der Artists mit dem User-Centric Modell höhere Einnahmen erzielen. Profitieren können unterschiedlichste Artists, jedoch vor allem solche mit tiefer oder mittlerer Reichweite. Konkret verdienen 64% der Künstler*innen mit 100 bis 1.000 Fans mehr mit User-Centric, 65% der Artists mit 1.000 zu 10.000 sowie 57% der Artists mit 10.000 bis 100.000 Fans. Bei den Künstler*innen mit über 100.000 Fans sind es hingegen bloß 38%.

Superfans verändern das Spiel

Der wirkliche Gamechanger ist der Einfluss der Superfans. MIDiA unterscheidet zwischen passiven Fans (weniger als 1 Cent geht pro Monat zum Artist), aktiven Fans (1-10 Cent pro Monat) sowie Superfans (mehr als 10 Cent pro Monat). Beträgt die Anzahl der Superfans nur schon 2-3%, verdoppelt sich das Einkommen verglichen zum Pro-Rata Modell. Mit 4-5% Superfans ist es bereits eine Verdreifachung. Dies bedeutet eine klare Verschiebung von aufgeblasenen Streamingzahlen zu einer engagierten Fangemeinde. Dies würde sich erstmals nicht nur bei den Zusatzeinnahmen niederschlagen, sondern auch bei den Streamingauszahlungen.

Das Problem vieler Artists ist nicht, dass sie keine Fanbase haben, sondern dass das bisherige Streamingsystem es ihnen nicht ermöglicht, diese genügend zu monetarisieren. Dafür müssen sie auf andere Plattformen ausweichen. Während bei Pro-Rata alles über die Masse geht, kann man bei User-Centric auch in seiner Nische signifikante Einnahmen generieren. Bei allen untersuchten 118.000 Artists machten die Superfans im Schnitt 1,5% aus und trugen zu 29% ihrer Einnahmen bei. Bei den Künstler*innen, die mit User-Centric mehr verdienen, betrug der Anteil der Superfans 2% und deren Anteil satte 42%.

Am meisten von Superfan-Einnahmen profitieren Artists mit 100 – 1.000 Fans (40%), 1.000 – 10.000 Fans (38%) und solche mit 10.000 – 100.000 (37%). Am tiefsten sind die Superfan-Einnahmen in der Superstar-Liga mit über 100.000 Fans, nämlich noch bei 27%. Sie haben mit 1,3% auch den tiefsten Anteil an Superfans. Gemäß den Autor*innen haben sie durch ihre Bekanntheit aber auch die größte Möglichkeit diesen Anteil zu steigern und sich vermehrt auf Fans und nicht den passiven Musikkonsum zu fokussieren.

User-Centric bekämpft Manipulation

Die deutlichsten Einkommenseinbußen hatten übrigens die Künstler*innen, bei denen es ziemlich offensichtlich ist, dass ihre Streamingzahlen manipuliert sind. Dass sich Streamingmanipulationen bei User-Centric kaum mehr lohnen, wäre ein weiterer schöner Nebeneffekt eines Systemwechsels. Ebenso sind die Künstler*innen weniger abhängig von Playlistplatzierungen und müssen entsprechend ihre Musik und vielleicht auch ihren Releaserhythmus weniger danach ausrichten. Oder wie es die Autor*innen formulieren: User-Centric belohnt die Qualität der Fans, nicht die Anzahl der Streams.

Verhindert die Industrie den Systemwechsel?

Die Vorteile liegen somit klar und deutlich auf dem Tisch, doch wird die Industrie mitziehen? TIDAL experimentiert wie berichtet bereits mit User-Centric und auch Deezer möchte eigentlich längst umsteigen. Doch die ganz großen Player wie Spotify oder Apple Music halten sich bedeckt und wollen erst wechseln, wenn alle involvierten Parteien mitziehen. Ob die Majors und andere Großkaliber dies wollen, ist jedoch fraglich, da gerade ihre Artists gegenwärtig am wenigsten von einem Systemwechsel profitieren würden.

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