What are fake artists on Spotify?

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Was du im Beitrag erfährst:
  • Wie Fake Artists über Mood-Playlisten Millionen Streams generieren
  • Wer hinter diesen Fake Artists steckt
  • Wie Spotify den Aufstieg der Fake Artists womöglich aktiv gefördert hat
  • Wieso Fake Artists nicht das Problem, sondern ein Symptom des Streaming-Systems sind

Durch die upgedatete Loud & Clear Seite lernten wir kürzlich, dass von den rund 8 Millionen Künstler*innen auf Spotify 52.600 im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Dollar generierten. Das ist zum einen eine überschaubare Anzahl, zum anderen stellt sich die Frage, wie viele davon sogenannte Fake Artists sind. Doch was sind Fake Artists eigentlich und wieso sorgen sie gerade wieder für Schlagzeilen? Wir fassen zusammen.

Millionen Streams durch Mood-Playlisten

Auch wenn es der Namen vermuten lassen würde, handelt es sich bei Fake Artists nicht um Bots oder ähnliches. Es stecken zwar echte Menschen hinter diesen Fake Artists, diese existieren aber außerhalb der Streamingplattformen nicht. Weder haben sie Social-Media-Profile noch eine Fanbase. Dies liegt daran, dass sie vorwiegend Musik für sogenannte Mood-Playlisten produzieren – und damit Millionen von Streams generieren. Häufig verstecken sich hinter vielen Fake Artists immer wieder dieselben Produzent*innen und Firmen.

Von zwei dieser Firmen war kürzlich in zwei schwedischen Zeitungen zu lesen. Zum einen Firefly, die über 830 Fake Artists veröffentlichen und damit vergangenes Jahr einen Umsatz von 7 Millionen Dollar erzielten. Dies nicht zuletzt, weil eine Mehrzahl ihrer Artists in von Spotify erstellten Playlisten zu finden war. Hinter 500 dieser Fake Artists  stecken gerade einmal 20 Songwriter, einer davon ist gar verantwortlich für 62 Fake Artists mit total 7,7 Millionen monatlichen Hörern.

Hinterzimmerdeals mit Spotify?

Zum anderen ist dies die Firma Chillmi, die bislang 2.500 Songs für Mood- und Chillout-Playlisten releaste. Diese generierten bereits 2,5 Milliarden Streams, also im Schnitt eine Million pro Track. Das wirklich interessante an dieser Story ist aber, dass der Gründer von Chillmi 2015 von Spotify direkt angefragt worden sein soll, ob er Musik für ihre Chillout Playlisten erstellen könne. Somit wäre es natürlich nicht weiter erstaunlich, dass alle Chillmi Releases in den populären Playlisten fürs Lernen, Meditieren oder Schlafen zu finden sind. Musicbusinessworldwide berichtete bereits 2016, dass Spotify Fake Artists direkt beauftragt, was diese jedoch dementierten. Es wird auch schon länger spekuliert, dass Spotify mit Fake Artists separate Verträge hat mit einer tieferen Auszahlung pro Stream dafür der Garantie in populäre Mood-Playlisten aufgenommen zu werden.

Ob es nun zu diesen Hinterzimmerdeals kam oder nicht, Fakt ist, dass diese Fake Artists massenweise Songs produzieren und diese ganz offensichtlich ein Bedürfnis der Hörer*innen befriedigen. Dies ist übrigens auch den Majors nicht entgangen, die ebenfalls Musik von Fake Artists releasen und entsprechende Playlisten erstellen.

Massenware sichert sich großes Stück des Streaming-Kuchens

Insgesamt gibt es gemäß Loud & Clear 719.000 Songs mit über einer Million Streams. Wenn ein Label wie Chillmi alleine 2.500 dazu beisteuert, ist davon auszugehen, dass die hunderten Fake-Artists-Labels zehntausende Tracks mit mehr als einer Million Streams veröffentlichten.

Zählt man noch die zahlreichen Lofi-Producer dazu, die zwar durchaus auch außerhalb der Streamingplattformen existieren aber ebenfalls primär Mood- und Chillout-Playlisten bedienen, ist es offensichtlich, dass ein nicht zu verachtender Teil dieser 719k Tracks instrumentale Songs sind, die primär der Berieselung dienen. Im gegenwärtigen Pro-Rata-Modell sichern sie sich mit ihrer Massenware dadurch ein nicht zu unterschätzendes Stück des Streaming-Kuchens. Verübeln kann man es diesen Produzent*innen und Songwriter*innen nicht, ist dies doch eine willkommene und verhältnismäßig einfache Möglichkeit ihr Einkommen aufzubessern.

Streaming fördert passiven Musikkonsum

In einer Analyse schreibt MIDiA, dass das Streaming nicht unbedingt physische Verkäufe und Downloads ersetze, sondern viel eher das Radio und somit den passiven Musikkonsum. Die durchgehende musikalische Berieselung steht verstärkter im Vordergrund als das Fansein. Selbst Fans werden immer mehr zu passiven Hörer*innen und Musik zu einer omnipräsenten Gebrauchsware. Fake Artists sind somit nicht per se das Problem, sondern viel eher ein Symptom des Streaming-Systems, welches die Konsumation von Songs und nicht Künstler*innen und das Fansein in den Vordergrund stellt.

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