Spotify on the stock exchange – what are they doing there?

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Was du im Beitrag erfährst:
  • Wieso die Spotify-Aktie trotz Verlusten so hoch bewertet wird
  • Aus welchem Grund Spotify eigene Aktien zurückkauft
  • Wieso Musiker*innen davon kaum profitieren

Wie ist die Lage bei Spotify?

Musikstreaming ist ein hart umkämpftes Geschäft. Zahlreiche Anbieter mischen mittlerweile mit – und das, obwohl der Markt bereits aus allen Nähten platzt. Unumstrittener Marktführer ist Spotify mit im 44% des weltweiten Marktanteils im ersten Quartal 2021. Mit 18% steht Apple Music auf Platz 2. In Deutschland wie auch in den USA macht Musikstreaming gut 80% der gesamten Industrieumsätze aus. Es läuft also ziemlich gut für diesen mittlerweile fest etablierten, aber dennoch recht jungen Wachstumsmarkt.

Der Börsengang

Dieses enorme Wachstumspotential ist natürlich auch den Investor*innen nicht entgangen. Beim Börsengang 2018 übertraf Spotify alle Erwartungen. Der angesetzte Referenzpreis von 132 Dollar lag drei Stunden nach Börsengang bei 165,90 Dollar. Heute kostet eine Aktie mit Schwankungen knapp zwischen 230 und 240 Dollar, also knapp 200 Euro. Die damalige Bewertung von 23 Milliarden Dollar steht heute neben einer Marktkapitalisierung von 43,21 Milliarden Dollar. Spotify wächst also rasant.

Die Bilanzen

Diese Börsenbewertungen haben allerdings wenig mit der wirtschaftlichen Realität zu tun. Tatsächlich hatte Spotify im zweiten Quartal 2021 Verluste von 20 Mio Euro zu verzeichnen. In der Firmengeschichte gab es überhaupt erst fünf Quartale, in denen schwarze Zahlen geschrieben wurden. Ansonsten waren Spotifys Bilanzen stets defizitär. Investor*innen sehen also das Zukunftspotenzial der Firma. So ähnlich lief es übrigens auch bei Netflix, deren Gewinne mittlerweile konstant steigen.

Der Aktienrückkauf

Fürs dritte Quartal diesen Jahres plant Spotify allerdings große Investments – in eigene Wertpapiere. Der schwedische Konzern will eigene Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar zurückkaufen. Man glaubt also weiterhin ans eigene Wachstum und will so gut es geht davon profitieren. Durch die eigene Nachfrage wird natürlich auch ein positiver Impuls gesetzt, der den Kurs weiter steigen lassen dürfte. Bedenkt man, dass die Aktie im Frühling bereits die 350-Dollar-Marke gestreift hatte, dürfte der Rückkauf sich also durchaus rentieren.

Die Investitionen

Doch so wirtschaftlich sinnvoll dieser Rückkauf auf lange Sicht auch sein mag: Mit einer defizitären Bilanz und derart vielen offenen Baustellen wäre die Investition an anderer Stelle womöglich sinnvoller eingesetzt gewesen. Die groß angekündigte Podcast-Offensive beispielsweise, scheint zu stocken – zumal nicht-exklusive Podcasts auf Spotify noch immer nicht monetarisiert sind. Auch die Auszahlungen an Künster*innen sind viel diskutiert. Nicht nur, dass andere Services deutlich großzügigere Revenues an die Musikschaffenden auszahlen – auch das Verteilungsmodell selbst steht in der Kritik.

Die Ausschüttung

Es gibt bei Spotify keinen festen Gegenwert für einen Stream. Stattdessen werden die Abo-Einnahmen anteilig an deren Beitrag zum gesamten Streaming-Kontingent verteilt. Große Artists profitieren enorm, während kleinere Künstler*innen nur die Krümel bekommen.

Die Börse ist schuld?

Es ist ein häufiges Problem: Die Börse verzerrt wirtschaftliche Kennzahlen. Die Kursbewertung eines Unternehmens überschattet realistische Bewertungen und Bilanzen. Statt auf kleine Renditen zu hoffen, wird eine Art Glücksspiel auf die gesamte Bewertung betrieben, wodurch der Erfolg eines Unternehmens maßgeblich von seinem „Ruf“ unter Investoren abhängt. Dadurch steht Spotify unter enormem Druck – die gesamte Strategie muss auf den Aktienkurs ausgerichtet werden.

Wie geht’s weiter?

Natürlich hat der Börsengang auch Vorteile: Die Liquidität des Unternehmens ist gesichert. Künstler*innen müssen nicht um plötzlich einbrechende Revenues bangen, Projekte und Kooperationen können finanziert und die Plattform weiter ausgebaut werden. Wenn davon allerdings wenig bis nichts bei Künstler*innen und Konsument*innen ankommt, bringen all die überwältigenden Bewertungen und Erfolge denjenigen, auf die es letztlich ankommen sollte, leider überhaupt nichts.

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