Neu bei iGroove? Checke jetzt unser aussergewöhnliches Backend System. Demo Account

Kontakt aufnehmen Für Account bewerben Login
Know-how für Musiker

Wie cleare ich Samples und muss ich das überhaupt?

November 16, 2020

Viele denken beim Thema Sampling vielleicht nur an Rap-Musik aus den 90ern mit Samples von staubigen Jazz-Platten. Doch Sampling ist heutzutage vielleicht populärer und weiter verbreitet denn je, nicht zuletzt dank vielen neuen Möglichkeiten. Eine Auswertung von Tracklib zeigt, dass 2019 15% der Songs in den Top 100 der Billboard Charts und sogar 59% aller Top 100 Alben Samples beinhalteten.

Dies beschränkt sich längst nicht nur auf Rap-Musik, sondern wird auch häufig im R&B, Latin, Pop, Dance oder teils sogar Rockmusik zum Einsatz gebracht. Von den Top-Producern im 2019 gaben 83% an während ihrer Karriere schon Samples genutzt zu haben.

Die Kunst des Samplings wird also rege genutzt, doch gleichzeitig liest man immer wieder, dass Künstler verklagt wurden, Alben sich verschieben oder Songs gar nicht erschienen, wegen Problemen beim Sample Clearing. Wir erklären dir, wie du vorgehen musst.

Populäre Mythen über Sampling

Es ranken sich zahlreiche Gerüchte rund um das Thema, von denen die meisten jedoch schlicht falsch sind.

Bis zu einer gewissen Länge ist Sampling erlaubt

Falsch: Es gibt viele Falschmeldungen, dass man z.B. sechs Sekunden oder 4 Takte samplen darf. Eine solche Regelung gibt es nicht und die Länge des Samples ist nicht von belangen.

Wenn ich das Sample verändere, darf ich es verwenden

Falsch: Egal ob du einen Loop verwendest, das Sample auseinanderschneidest und neu zusammensetzt, du die Tonhöhe änderst oder was auch immer, es bleibt immer noch das geistige Eigentum von jemand anderem. Natürlich kann man darüber streiten, ob man wirklich Geld abgeben will, wenn das Original überhaupt nicht mehr erkennbar ist. Doch will man wegen solchen Spitzfindigkeiten wirklich vor Gericht?

Wenn ich das Sample nachspiele, ist es rechtlich kein Problem

Halbrichtig: Du brauchst dann tatsächlich nur eine von zwei Genehmigungen. Dazu gleich mehr.

So clearst du Samples

Um wirklich auf der sicheren Seite zu sein, benötigst du zwei Genehmigungen:

  • Rechte am Master (meist von einem Label)
  • Rechte an der Komposition (Publisher oder Künstler selbst)

Du brauchst also einerseits das Einverständnis von denjenigen, die das Master-Recht an einem Song haben, was in vielen Fällen ein Label ist. Zum anderen müssen auch die Urheber, also Textautoren und Komponisten, damit einverstanden sein, dass du ihr Werk verwendest. Diese Rechte liegen häufig bei einem Publisher oder sonst beim Künstler direkt. Anders als bei einem Cover eines Songs, können die Rechteinhaber es dir jederzeit verbieten ein Sample zu verwenden.

In einem ersten Schritt musst du also herausfinden, wer eigentlich die Rechte besitzt an dem Song, den du verwenden willst. Es ist deshalb immens wichtig, dass du dir jeweils notierst, welche Samples du in einem Song verwendest hast, sonst wird die Sache noch komplizierter. Wenn du dir die Beats im Internet kaufst, kläre mit dem Produzenten unbedingt ab, ob dieser Samples verwendet hat und wenn ja, ob diese gecleared wurden. Falls nicht, kann dies auf dich zurückfallen.

Wer die Rechte am Master hat, ist meist relativ einfach herauszufinden da es sich wie gesagt meist um das Label handelt, welches den Song veröffentlicht. Diese lässt sich also in vielen Fällen mit einer einfach Googlesuche ermitteln.

Etwas komplizierter ist es herauszufinden, wer alles an der Komposition und dem Text mitgearbeitet hat und wer diese vertritt. Handelt es sich um Releases aus den USA empfehlen sich die Datenbanken von ASCAP oder BMI. Ansonsten bleibt nichts anderes als viel Recherche.

Ist dir das alles zu kompliziert, kannst du auch eine Firma beauftragen, die sich auf Sample Clearing spezialisiert hat. Diese wird aber natürlich ihren Anteil verlangen und ganz billig wird es generell nicht.

Was kostet das Sample Cleearing?

Sobald man nämlich alle Rechteinhaber ausfindig gemacht hat, geht es ans Verhandeln. Zumindest wenn man überhaupt eine Antwort auf die Anfrage erhält, was offenbar gerade bei Independent-Künstlern nicht immer der Fall ist. Vorausgesetzt aber ihnen gefällt dein Song und sie geben dir die Genehmigung diesen zu releasen, wird dich dies etwas kosten.

Wie viel hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab wie der Bekanntheit des Künstlers.

Sowohl auf Master-Seite wie auch bei den Komponisten wird meist eine fixe Vorauszahlung verlangt. Gemäss diversen Berichten liegt diese häufig zwischen 2.000 und 10.000 Dollar. Zudem gibt man für die Master-Rechte noch rund 3-10% der Einnahmen des Songs ab. Noch mehr fließt meist an die Komponisten, mehr als 50% sollte es aber nicht sein. Kann man keine so hohe Vorauszahlung leisten, kann man allenfalls auch eine höhere Beteiligung an den Einnahmen aushandeln. Natürlich wäre es auch möglich zu versuchen alles mit einer Vorauszahlung zu begleichen, doch gerade für Independent-Künstler dürfte dies ein viel zu großes Risiko darstellen.

Wie man sieht ist es aufwändig und in vielen Fällen auch teuer Samples zu clearen. Je obskurer die Samplequelle, desto schwieriger ist es die Rechteinhaber ausfindig zu machen. Und je bekannter der gesampelte Künstler, desto teurer wird es.

Nochmals zurück zum Thema Samples nachspielen: In diesem Fall braucht man die Master-Rechte nicht, da man ja nicht den bestehenden Song verwendet, an welchem das Label die Rechte hat. Die Einwilligung der Komponisten braucht es jedoch weiterhin, da man sich an ihrem geistigen Eigentum bedient hat, indem man ihre Melodie nachspielt.

Merkt es wirklich jemand, wenn ich den Song nicht cleare?

Wenn du das Sample nicht clearst und dein Song danach nur einige tausend Streams hat, wird dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand bemerken. Dies kann sich jedoch ganz schnell ändern, wenn dein Song durch die Decke geht. Dann ist die Taktik «einfach mal schauen, ob ich erwischt werde» alles andere als empfehlenswert. Sollten die Rechteinhaber dann noch verhandeln wollen, bist du sicherlich in der schlechteren Verhandlungsposition und wirst sehr viele Prozente abgeben müssen. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu einer Klage und dies kann teuer werden. Zudem ist dein Vertrieb verpflichtet, das Release von den Shops zu entfernen, wenn du nicht geclearte Samples verwendet hast.

Wenn du auf der sicheren Seite sein willst, lohnt es sich die Rechte an den Samples einzuholen. Dabei sprechen wir übrigens nicht nur von Musikstücken, dies gilt auch für Samples aus Filmen, Games etc..

Wie komme ich ohne großen Aufwand und Kosten an legale Samples?

Natürlich wurde die Problematik längst erkannt und es gibt unterdessen diverse Seiten, wo man sich unkompliziert Samples besorgen kann.

Tracklib: Die Seite gibt dir die Möglichkeit eine große Auswahl von Originalsongs zu samplen und diese zu fairen Konditionen und vor allem wenig Aufwand zu clearen. Zudem bezahlt man eine monatliche Subscription Fee. Viele bekannte Künstler wie J. Cole, Lil Wayne, DJ Khaled, Brockhampton oder Mary J. Blige verwendeten den Services bereits.

Splice: Keine Originalsongs aber Royalty Free Samples, teilweise von weltberühmten Produzenten, gibt es bei Splice. Gemäß Eigenwerbung haben sie Millionen Sounds von Drums bis Vocals oder verschiedenen Instrumenten. Auch hier bezahlt man einen monatlichen Betrag.

Zudem gibt es diverse weitere Seiten, wo man sich sogenannte Sample Packs oder Royalty Free Samples herunterladen kann. Hier empfiehlt es sich jedoch immer die Bedingungen genau zu studieren, da diese nicht immer für alle Zwecke verwendet werden dürfen und es leider auch zahlreiche weniger seriöse Anbieter auf dem Markt gibt.

Fazit

Rechtlich gesehen ist die Sachlage klar, ein Sample muss, egal wie kurz oder entfremdet es ist, immer gecleared werden. In der Realität ist es gerade für kleinere Independent-Künstler ein enormer Aufwand und auch Kostenpunkt. Häufig wird man also vor die Entscheidung gestellt, ob man das Risiko eingehen will oder doch auf das Sample verzichtet, welches aber den Song genau zu einem Hit machen könnte. Zudem lohnt es sich sicherlich die zahlreichen neuen Alternativen auszutesten.

12 Shares
Copy link