Sind Alben zu lange?

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Was du im Beitrag erfährst:
  • Wieso Alben im Streamingzeitalter wieder länger werden
  • Wie stark der Konsum von Alben zurückgeht
  • Wieso konstanter Output überlangen Alben vorzuziehen ist

Immer wieder kommt die Diskussion auf, ob im Streamingzeitalter Alben überhaupt noch relevant sind oder sich alles nur noch um Singles und deren Platzierungen in Playlisten dreht. Was weniger diskutiert wird, jedoch durchaus das schwindende Interesse an Alben befeuern könnte, ist die Frage: Sind Alben heutzutage schlicht zu lange? Bieten mehr Songs den Fans wirklich einen Mehrwert oder ist es nur ein ungelenker Versuch die Einnahmen zu steigern?

Längere Alben im Streamingzeitalter

Ist man ein Rap-Fan, hat man sich zuletzt sicherlich durch die Alben von Kanye (27 Songs) und Drake (21 Songs) gekämpft. Dies sind nur zwei Beispiele für aktuelle Alben, welche die Marke von 20 Songs übertreffen. Überlange Alben sind natürlich keine Erfindung des Streamingzeitalters. Gerade im Rap hatten in den 90ern die Alben nicht selten 20 oder mehr Songs (und viele Interludes). Irgendwann nach der Jahrtausendwende wurden die Alben aber mehrheitlich kürzer, schließlich verdiente man einer CD gleichviel, egal ob da 11 oder 22 Songs drauf waren.

Das Streaming hat diesen Trend umgekehrt. Einerseits ist man nicht mehr durch die Medien CD oder Vinyl bei der Albumlänge eingeschränkt.  Andererseits bedeuten mehr Songs häufig auch mehr Streams. Ob mehr Songs der Qualität dienlich sind, steht hingegen auf einem anderen Blatt Papier. Fakt ist: In vielen Belangen heißt das Motto „weniger ist mehr“, doch in der Musikindustrie scheint dies nicht zu gelten und Alben werden wieder länger.

Konsum von Alben ist rückläufig

Dass sich dies für Künstler wie Kanye oder Drake, dessen vier letzten Alben im Schnitt 22 Songs beinhaltete, auszahlt, steht außer Frage. Für Künstler ohne Superstar-Status ist es jedoch fraglich, ob sich die Hörer wirklich durch so viele Songs durchackern. Gemäß einer Statistik hören 54% der Musikkonsumenten weniger Alben als noch fünf Jahre zuvor. Gerade junge Hörer konsumieren überaus selten Alben und es ist mehr als fraglich, ob solche überlangen Alben die Lust an dem Format erhöhen.

Konstanter Output ist wichtiger

Wenn man also eine produktive Zeit im Studio hatte und z.B. auf 24 Songs sitzt, sollte man sich als erstes fragen, ob wirklich alle die Qualitätsansprüche erfüllen. Dabei hilft es, wenn man im Umfeld nicht nur Ja-Sager hat, sondern Leute die einem ehrlich mitteilen, wenn ein Song besser weiterhin nur auf der Festplatte bleibt. Doch selbst wenn man zum Schluss kommt, dass die Welt auf jeden der 24 Songs gewartet hat, ist es fraglich, ob man diese wirklich alle auf einen Schlag releasen will.  

Anstatt alle 24 Songs auf ein Album zu packen, sortiert man besser die 10-14 besten Tracks, die zudem einen roten Faden haben, aus und releast die restlichen Songs vor oder nach dem Album als Singles und EPs. Somit liegt der Fokus nicht auf einer einzigen Veröffentlichung, man hat regelmäßigeren Output, kann mehr Songs pitchen und promoten und hat erst noch ein kohärentes Album. Das Streamingzeitalter verlangt nach konstantem Output und nur wenige Künstler können sich wie Drake erlauben ohne Vorabsingle ein eineinhalbstündiges Album zu releasen.

Eine weitere Option ist es das Album erst mit einer überschaubaren Anzahl Tracks zu veröffentlichen und dann einige Wochen oder Monate später eine Deluxe Version mit zusätzlichen Songs zu releasen. So konnten die Fans die ersten Songs bereits verdauen und sind bereit für eine weitere Ladung Musik. In den meisten Fällen fährt man besser, wenn man die Fans kontinuierlich mit Häppchen füttert anstatt ihnen ein übergroßes Menü vorzusetzen.

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