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Know-how für Musiker

Digitale Distributoren: Musikvertriebe im Vergleich

November 25, 2020

Während es in noch gar nicht so ferner Vergangenheit fast unmöglich war seine Musik ohne Label unter die Leute zu bringen, besteht heute viel eher das Problem, aus den unzähligen Vertriebsmöglichkeiten das für einen passende Angebot zu finden. Einerseits bieten viele Distributoren sehr ähnliche Angebot, andererseits liegt der Teufel im Detail und es gibt kleinere und größere Unterschiede zwischen den Anbietern. Wir sorgen für Orientierung im Angebotsdschungel.

Wieso brauche ich einen Vertrieb?

Grundsätzlich dazu, um deine Musik in allen wichtigen Shops verfügbar zu machen, was für Künstler auf direktem Weg nicht möglich ist, sondern einzig via Vertrieb oder Label. Alle Vertriebe haben bestehende Partnerschaften mit den Shops.

Im Vergleich zu Labels bieten Vertriebe deutlich mehr Transparenz (oder sollten sie zumindest) und man behält stets alle Rechte an seiner Musik. Man gibt dem Vertrieb einzig das Recht, seine Musik in den Stores verfügbar zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Im Gegenzug darf man von einem Vertrieb auch nicht erwarten, dass man dieselbe Betreuung und Aufmerksamkeit erhält, wie bei einem Label, wo man dann auch deutlich größeren Anteil seiner Einnahmen abgibt. Wer sich immer noch fragt, wieso er einen Vertrieb braucht, der findet hier die Antworten.

Wichtig zu wissen ist auch, dass man im Normalfall nicht an einen Vertrieb gebunden ist. Das bedeutet, man kann problemlos seine Releases über verschiedene Vertriebe in die Stores bringen (jedoch nicht dasselbe Release über zwei verschiedene Distributoren).

Welcher Vertrieb ist der Beste?

Wir haben einige der wichtigsten Distributoren weltweit sowie einige der Leader im deutschsprachigen Raum unter die Lupe genommen und miteinander verglichen. Gleich vornweg: Es gibt keinen Testsieger und auch keine Empfehlungen oder Warnungen, sondern wir vergleichen einzig die Fakten. Der Hauptgrund, dass wir keine Empfehlungen geben ist schlicht, weil jeder Musiker andere Bedürfnisse hat und die Prioritäten anders legt. Der eine will vor allem tiefe Gebühren, der nächste legt Wert auf einen guten Support und der andere ist auf der Suche nach Zusatzdienstleistungen, die über die reine Vertriebsarbeit hinausgehen. Wir haben die Vertriebe daher nach verschiedenen Themen gegliedert und berücksichtigen dabei jeweils auch, an welchem Punkt in seiner Karriere ein Künstler steht.

Welcher Vertrieb ist der Richtige für mich?

Um dies herauszufinden, vergleichen wir 14 Vertriebe miteinander nach den folgenden Kriterien:

  • Kosten & Gebühren
  • Vorschüsse
  • Vertriebsdienstleistungen
  • Support
  • Promotionsmöglichkeiten
  • Analytics / Insights
  • Tools

Kosten & Gebühren

Gerade hier unterscheiden sich die Distributoren teils deutlich und es gibt verschiedenste Modelle, häufig bieten auch die Vertriebe selbst verschiedene Optionen an. Grundsätzlich können für den Musiker drei verschiedene Arten von Kosten anfallen: Jahresgebühren, Releasegebühren und eine prozentuale Kommission auf die Einnahmen. Mit wenigen Ausnahmen gilt die Regel, wer eine Jahresgebühr verlangt, erhebt keine Releasegebühren und umgekehrt. Ausnahmen sind ReverbNation, die sowohl Jahres- wie Releasegebühren erheben und AWAL und ONErpm, die auf beide Gebühren verzichten.

KostenmodelleAnbieter
Jahresgebühren (Flatrate)Amuse, Ditto, DistroKid
Jahresgebühren pro ReleaseTuneCore, Spinnup, ReverbNation*
Einmalige Aufschaltgebühr & Kommission (Hybrid)iGroove, CD Baby, Record Union, recordjet, iMusician
Nur KommissionAWAL, ONErpm
*plus Jahresgebühr

Der dritte Faktor ist die Kommission, also die Prozente der erzielten Einnahmen, die beim Vertrieb bleiben. Auch hier kann man pauschal sagen, dass wer höhere Fixkosten verrechnet meist keine Kommission erhebt und man bei ausbleibenden oder tiefen Fixkosten dafür höhere Prozente der Einnahmen abgibt.

KommissionAnbieter
0%Amuse, DistroKid, TuneCore, Ditto, Spinnup, recordjet (je nach Paket), ReverbNation
8%iGroove
9%CD Baby
10%recordJet (je nach Paket)
15%AWAL, Record Union, iMusician, ONErpm

Jahresgebühr vs. Releasegebühr: Eine Jahresgebühr lohnt sich einzig dann, wenn man viele Releases hat, welche auch alle in der Jahresgebühr inklusive sind. Ansonsten fährt man mit einer einmaligen Gebühr günstiger, vorausgesetzt natürlich man möchte seine Releases über einen längeren Zeitraum online behalten. Abzuraten ist daher eher von Jahresgebühren, die pro Release anfallen.

Gebühren vs. Kommission: Keine Abgaben von den Einnahmen zu machen, klingt natürlich auf den ersten Blick verlockend. Für Künstler mit noch überschaubarem Umsatz, fallen diese jedoch weniger ins Gewicht als Gebühren (insbesondere widerkehrende Jahresgebühren). Umgekehrt sind Gebühren bei hohen Umsätzen vernachlässigbar, während eine hohe Kommission dann deutlicher spürbarer ist im Geldbeutel.

Nicht zuletzt sollte man auch noch einen Blick auf die Auszahlungsbedingungen werfen: Wie oft schreibt der Vertrieb die Einnahmen gut und ab welchem Betrag kann man sich diese auf das Konto überweisen? Dieses Detail sollte man nicht vernachlässigen, um keine böse Überraschung zu erleben.

Vorschüsse

Ein wichtiger Faktor für viele Künstler und häufig einer der Hauptgründe, wieso sie bei einem Label unterschreiben, sind Vorschüsse. Diese werden jedoch nicht nur von Labels vergeben, sondern auch von einigen wenigen Vertrieben.

Bist du also auf der Suche nach einem Vorschuss, um den nächsten Karriereschritt zu nehmen, solltest du definitiv diese Vertriebe genauer unter die Lupe nehmen.

Vorschüsse verfügbariGroove (für kommende Releases & Backlog), Amuse, AWAL (nur für gesignte Künstler), TuneCore, Believe
Bieten keine VorschüsseDistroKid, CD Baby, Ditto, Record Union, Spinnup, recordJet, ReverbNation, iMusician, ONErpm

Vertriebsdienstleistungen

Wie erwähnt ist die Grundaufgabe jedes Vertriebs, die Musik in den Stores verfügbar zu machen. Doch auch hier gibt es deutliche Unterschiede. Dies beginnt nur schon bei der Auswahl der Shops. Während die einen sich auf die Big Player beschränken, haben andere selbst den kleinsten Streaming-Newcomer im Angebot. Mehr Shops bedeutet nicht automatisch mehr Einnahmen und deshalb muss man als Künstler für sich selbst entscheiden, wie wichtig es einen ist auf verschiedensten Shops und vor allem auch in verschiedensten Märkten präsent zu sein. Gerade wenn man asiatische oder afrikanische Märkte im Visier hat, eignen sich nur wenige (der hier getesteten) Vertriebe.

Liegt der Fokus vor allem auf elektronischer Musik, sollte man zudem sicherstellen, dass der Vertrieb auch Beatport im Angebot hat.

Ebenfalls nicht bei allen Vertrieben inbegriffen ist die Bereitstellung der Audio-Files auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok oder Triller.

Sucht man einen Vertrieb, bei dem man digitalen und physischen Vertrieb kombinieren kann, ist die Auswahl auch schon deutlich kleiner.

Schließlich möchten wir das Augenmerk noch auf einige Details richten, die man sonst gerne überliest.

EAN / ISRC Codes: Bei den meisten Vertrieben werden diese kostenlos zur Verfügung gestellt, jedoch nicht bei ganz allen. Bezahlt man für die Codes zusätzlich, können die Gebühren und Kosten (siehe oben) plötzlich wieder ganz anders aussehen.

Takedowns: Manchmal kommt es vor, dass man ein Release schnellstmöglich von den Shops entfernt haben möchte (z.B. wenn man den Vertrieb wechseln will). Bei einigen Distributoren gibt es hierfür jedoch Kündigungsfristen oder es fallen gar Gebühren an.

Takedown BedingungenAnbieter
Kostenlos und jederzeitiGroove, Amuse, DistroKid, Ditto (2-4 Tage), TuneCore, Record Union (innerhalb einer Woche), recordJet, iMusician, ONErpm
KündigungsfristAWAL (30 Tage), CD Baby (bis zu 30 Tage), ReverbNation (4-6 Wochen)

Vorlaufzeit nach Upload: Wir wissen aus Erfahrung, dass viele Musiker ihre Releases sehr kurzfristig bei ihrem Vertrieb hochladen. Ist Vorlaufzeit für dich ein Fremdwort? Dann unbedingt prüfen, welche Fristen die Shops haben.

Zusammengefasst kann man sagen, wenn man Spezialwünsche hat die über die Auslieferung an die gängigen Shops hinausgeht, sollte man sehr genau vergleichen, welcher Distributor diese alle erfüllen kann.

Support

Es ist wie überall, solange alles reibungslos funktioniert, spielt die Qualität des Supports keine große Rolle. Anders sieht es aus, wenn man ein Problem hat oder eine Frage auftritt, die sich über die FAQs nicht beantworten lassen. Wie wir oben gesehen haben, gibt es Vertriebe, die man durchaus als Discounter bezeichnen könnte und die den Künstlern tiefe Kosten bieten. Diese müssen sie natürlich anderweitig einsparen und dies geschieht nicht selten beim Support (wobei leider hohe Kosten nicht immer einen guten Support bedeuten).

Wie in der Übersicht aufgeführt, bieten die wenigsten Distributoren einen direkten Kontakt per Telefon oder Chat. Viele sind auch nicht per Email, sondern einzig via Kontaktformular erreichbar. Teils hängt die Schnelligkeit des Supports auch davon ab, was für einen Deal man hat. Ein Einfluss hat auch das Geschäftsmodell: Ein Vertrieb, der jeden Künstler aufnimmt und somit zehn- oder hunderttausende Kunden hat, kann nicht denselben Support bieten, wie ein Distributor, der nur mit ausgewählten Künstlern arbeitet.

Zusammengefasst kann man sagen, wenn man sich für eine Sparvariante entscheidet, wird man Abstriche beim Support machen und sich auf eine längere Wartezeit einstellen müssen.

SupportmodellVertrieb
Telefonischer SupportiGroove, recordJet, AWAL (ab Stufe Awal+)
Support per MailiGroove (auch via Facebook / Instagram), AWAL (ab Stufe Awal+), DistroKid (7-10 Tage Reaktionszeit), CD Baby (auch via Twitter), TuneCore, Record Union, recordJet, Believe, iMusician,
Support per ChatiGroove, Record Union, recordJet

Promotionsmöglichkeiten

Die meisten Vertriebe beschränken sich bei weitem nicht darauf, nur die Musik in den Stores verfügbar zu machen. Sie bieten ihren Künstlern darüber hinaus Services, die man sich von einem Label gewohnt ist.

Wir haben bei unserem Vergleich die gängigsten Promotiontools genauer angeschaut:

  • Strategische Beratung / Releaseplanung
  • YouTube Monetarisierung (Content ID)
  • Playlist Pitching
  • Social Media Promotion
  • Streaming Promotion
  • Radio-Bemusterung

Auch hier sind die Unterschiede klar ersichtlich. Gewisse Vertriebe bieten die ganze Palette, andere offerieren kaum Services und andere arbeiten dafür hauptsächlich mit externen Partnern.

Hat man gerne alles unter einem Dach, sollte man sich für einen Partner entscheiden, der alle Dienstleistungen bietet, die einen interessieren. Arbeitet man bereits mit anderen Partnern für die Promotion, spielt dieser Teil keine große Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Statistiken & Analytics

Wie oben erklärt, ist ein Vorteil vieler Vertriebe im Vergleich zu Labels, dass sie gegenüber den Künstlern deutlich transparenter sind. Früher war es in der Musikbranche häufig so, dass man im Idealfall alle paar Monate eine Abrechnung erhielt. Heutzutage bieten viele Distributoren beinahe tagesaktuelle Zahlen, so dass man jederzeit sieht, wie die Releases performen.

Dies geschieht zumeist auf verschiedenen Ebenen. Zum einen sind dies Trenddaten, die man ähnlich wie etwa bei Spotify for Artists mehr oder weniger tagesaktuell einsehen kann. Dann kommen die Abrechnungen, also die Downloads und Streams, die bereits mit den Shops abgerechnet wurden. Auch hier gibt es Unterschiede, da nicht jeder Vertrieb ganz detailliert aufzeigt, woher die Einnahmen stammen. Schließlich ist es im Streamingzeitalter auch wichtig eine Übersicht zu haben, in welchen Playlists sich die Songs befinden.

AnalyticsVertriebe
Echtzeit ZahleneinblickiGroove, Amuse, DistroKid (nur mit Plus- und Label-Account), CD Baby, TuneCore, Ditto, Record Union, Spinnup, recordJet, Believe, ReverbNation, iMusician, ONErpm
VerkauftrendsiGroove, Amuse, DistroKid (nur mit Plus- und Label-Account), CD Baby, TuneCore, Ditto, Record Union, Spinnup, recordJet, Believe, ReverbNation, iMusician, ONErpm
Playlist TrackingiGroove, Amuse, Record Union, recordJet, Believe, ONErpm

Möchte man stets wissen, wie die Songs performen und man wert legt auf genau Abrechnungen und Transparenz, sollte man dies bei der Wahl des Vertriebs definitiv berücksichtigen.

Tools & Services

Wie bereits erwähnt, gibt es Dutzende Distributoren, die versuchen sich von der Masse abzuheben. Dies geschieht häufig auch durch Tools und Services, die den Künstlern das Leben vereinfachen, zusätzliche Möglichkeiten zur Promotion bieten oder ihnen vertiefte Einblicke liefern sollen.

Wir haben 15 verschiedene Tools und Services angeschaut und geprüft, welcher der Vertriebe diese im Angebot hat und zu welchem Preis. Dazu gehören unter anderem Optionen für Pre-Saves, Vorverkauf und Instant Gratification, Lizenzierungssservices, automatische Verteilung der Einnahmen oder eine App, um alle wichtigen Infos immer griffbereit zu haben.

Da es keinen Anbieter gibt, der alle diese Tools anbietet, muss man sich als Musiker fragen, welche davon einem am Wichtigsten sind und anhand dessen, werden sich dann die Favoriten herauskristallisieren.

Fazit

Die Auswertung der verschiedenen Punkte zeigt, dass man sich vor der Entscheidung für einen Vertrieb erst Gedanken machen sollte, welches in der aktuellen Phase der künstlerischen Laufbahn die Prioritäten sind. Hat man die 5-10 Punkte definiert, die einem am Wichtigsten sind, wird man bald eine relativ kurze Liste mit Vertrieben haben, die man sich genauer anschauen kann.

Auf dieser Liste sollte sicherlich das gewünschte Kostenmodell stehen, ebenso sollte man sich überlegen, welche Zusatzdienstleistungen und Tools man gerne in Anspruche nehmen möchte. Sind einem nicht nur die Handvoll der großen Shops wichtig oder möchte man auch in anderen Märkten aktiv sein, lohnt es sich genauer zu prüfen, welche Stores im Angebot sind. Schließlich lohnt sich auch ein Blick auf die Supportmöglichkeiten und die Beratung, welche der Distributor bietet.

Dank unserer Auswertung hast du alle wichtigen Informationen auf einen Blick und ersparst dir das langwierige Durchklicken von Informationen und FAQs.

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